21 Fragen an Montessori Schulen

Auszug aus der Broschüre "21 Fragen an Montessori Schulen" Hier als PDF herunterladen

1. Wer war Maria Montessori und
was wollte sie mit ihrer Pädagogik?


Maria Montessori war Ärztin und leitete ab 1907 ihr erstes Kinderhaus
(Casa dei Bambini) in Rom. Auf Grund ihrer Beobachtungen und empirischen
Forschungen entwickelte sie ein pädagogisches Konzept für die
Begleitung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen von 0 bis
18 Jahren. Inhalt und Methoden der Montessori-Pädagogik beruhen auf
ihren Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen. Das Ziel der Montessori-Pädagogik ist, das
individuelle Wachstum der Kinder und Jugendlichen so zu fördern, dass
das Kind in einem hohen Maß an Freiheit ganzheitlich lernt und gleichzeitig
seinen Platz in der Welt erkennt und fähig ist, Verantwortung für
sich zu übernehmen und am Frieden in der Gesellschaft mitzuwirken.

2. Stimmt es, dass in Montessori-Schulen
jahrgangsgemischt gearbeitet wird?

Ja, das stimmt und es hat einen guten Grund. In allen anderen gesellschaftlichen,
politischen und sozialen Bereichen arbeiten und leben
Menschen in altersgemischten Strukturen. Warum also nicht auch in
Schulen? In altersgemischten Klassen lernen Kinder, Hilfe zu leisten
und Hilfe zu empfangen. Beides ist wichtig für die geistige und soziale
Entwicklung der Heranwachsenden. Altersgemischte Klassen reduzieren
die Rivalität und fördern die Toleranz.

3. Welche Kinder werden an einer
Montessori-Schule aufgenommen?

Montessori-Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig
von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Am
Tag der offenen Tür kann ein Eindruck darüber gewonnen werden, ob das
Konzept und die Arbeitsweise der Schule den Vorstellungen der Kinder,
Jugendlichen und Eltern entspricht. Nach ausführlichen Informations-
Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule
statt. Der Aufnahmemodus wird an den Schulen individuell gestaltet.

4. Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder
mit Lernschwierigkeiten auf die
Montessori-Schule gehen?


Nein. An Montessori-Schulen lernen Kinder aller Begabungsrichtungen.
Da schwerpunktmäßig auch das Lernen gelernt wird (über eine besondere
Fehler- und Feedbackkultur), ermöglicht dies auch in der Regel Kindern
mit Lernproblemen persönliche Fortschritte und Erfolge zu erzielen.
5. Ist Montessori-Pädagogik eine Kuschelpädagogik?
Nein. Es gibt klare Regeln und Zielvorgaben für die Kinder und Jugendlichen.
Die Freiheit des Individuums wird begrenzt durch die Bedürfnisse
der Gemeinschaft. Ein besonderer Fokus liegt deshalb auf Beziehungen,
Kommunikations- und Sozialerfahrungen. In einer Schule, in der nicht
nur die intellektuellen Fähigkeiten angesprochen werden, können sich
Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit,
prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln. Die Praxis
zeigt, dass gerade Montessori-Schüler von Ausbildungsbetrieben besonders
geschätzt werden. Die Absolventen studieren und arbeiten erfolgreich
in allen Studien- und Berufsfeldern.


6. Ist die Montessori-Schule teuer?

Montessori-Schulen in freier Trägerschaft werden nur zum Teil durch
Zuschüsse der öffentlichen Hand finanziert. Die staatlichen Zuschüsse
decken etwa die Hälfte der entstehenden Kosten. Mit den Elternbeiträgen
werden beispielsweise besonderes Lern-Material und die
zusätzlichen Pädagogen bezahlt, die in den Lerngruppen eingesetzt
werden. Die Höhe der Elternbeiträge richtet sich nach den Bedürfnissen
der Einrichtung.

7. Worin unterscheiden sich
Montessori-Schulen von anderen Schulen?

In Montessori-Schulen wird dem individuellen Lebens- und Lernweg der
Kinder und Jugendlichen ein großer Raum beigemessen. Das Kind selbst
ist die Quelle der Entwicklung, es ist „Baumeister seiner selbst“. Um
seinen eigenen Weg gehen zu können, bedarf es der Begleitung und
Unterstützung der Erwachsenen. Montessori-Pädagogen schaffen in einer
„Vorbereiteten Umgebung“ die individuellen Rahmenbedingungen,
orientieren sich an den Kindern und helfen jedem einzelnen Kind, seinen
ganz eigenen, erfüllenden Weg zu finden.

8. Stimmt es, dass es an der Montessori-
Schule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

An Montessori-Schulen in freier Trägerschaft wird grundsätzlich auf Ziffernnoten
und Sitzenbleiben verzichtet. Die Lehrer geben stattdessen
individuelle Beurteilungen und treffen sich regelmäßig mit dem Schüler
und seinen Eltern zu einem Reflexions- und Zielgespräch. Zweimal jährlich gibt es
schriftliche „Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess
IzEL“. Nicht allein der Wissensstand, sondern ebenso die Gesamtentwicklung
des Kindes ist entscheidend.

9. Welche Abschlüsse können
an einer Montessori-Schule erreicht werden?

Grundsätzlich können die gleichen Abschlüsse an einer Montessori-
Schule erreicht werden wie an den staatlichen Schulen. Dies reicht – je
nach Aufbau der Schule – vom erfolgreichen Hauptschul- bzw. Mittelschulabschluss
bis zum Fachabitur bzw. zur allgemeinen Hochschulreife.
Da die Montessori-Schulen staatlich genehmigt sind, werden die Prüfungen
großteils an staatlichen Partnerschulen abgenommen. Diese
Zusammenarbeit ist von gegenseitigem Respekt geprägt und in einer
partnerschaftlichen Vorbereitung darauf ausgerichtet, dass die Schüler
in einem guten Umfeld die Prüfungen absolvieren können. Die Schüler
sind oft gegenüber den sogenannten Regelschülern im Vorteil, da sie
gelernt haben, selbstständig zu arbeiten, den eigenen Lerninteressen zu
folgen und sich für ihren Lernprozess verantwortlich zu fühlen.

10. Montessori-Schulen nennen sich oft
„Freie Schulen“. Heißt das, dass die Kinder
dort machen können, was sie wollen?

Der Begriff „Freie Schule“ kommt von der gesetzlichen Formulierung
„Schule in freier Trägerschaft“ und hat mit der gelebten Pädagogik
nichts zu tun. Die Schulgesetze unterscheiden öffentliche Schulen von
Schulen in freier Trägerschaft. Dennoch ist die Freiheit ein wichtiges
Prinzip in Montessori-Schulen. Sie bezieht sich jedoch primär auf das
Recht des Kindes, sich frei zu entwickeln, also möglichst ohne Hemmnisse
und Unterdrückung durch Erwachsene.

11. Was bedeutet Freiarbeit?

Freiarbeit ist das Herzstück der Montessori-Pädagogik. In der Freiarbeit
entscheidet das Kind, was es arbeitet, mit wem, wo und wie lange. Weil
das Interesse an der Sache und der individuelle Lern- und Arbeitsrhythmus
berücksichtigt werden, ist die Freiarbeit die Zeit höchster Konzentration.
Das Ziel der freien Arbeit ist selbstständiges und eigenverantwortliches
Lernen und Arbeiten. Grundvoraussetzung hierfür ist eine
„Vorbereitete Umgebung“, die kontinuierlich an die Lern- und Lebensbedürfnisse
der Kinder und Jugendlichen angepasst wird.

12. Lernen die Schüler genug,
wenn so viel Freiarbeit stattfindet?

Ja, aber sie lernen auf eine andere Art. Vielfältige Erfahrungen und
auch vergleichende Studien mit Regelschulen zeigen, dass Kinder und
Jugendliche in Montessori-Schulen gleich viel lernen. Sie erwerben dabei
aber zusätzlich besonders hohe Kompetenzen in der Arbeitsplanung
und in der selbstständigen Arbeit sowie in der Kooperation an gemeinsamen
Arbeitsvorhaben und Projekten.
Die freie Wahl der Arbeit in der „Vorbereiteten Umgebung“ und die
altersgemischte Zusammensetzung der Lerngruppen motivieren und
ermutigen Kinder, sich an Aufgaben heranzuwagen, die ältere Schüler
bereits mit Freude und Stolz vormachen.

13. Leise oder laut – wie ist Freiarbeit?

Weil alle Kinder ihrem Interesse nachgehen, vertiefen sie sich in ihre Arbeit.
Sie wollen dabei nicht gestört werden und zeigen deshalb auch Respekt
vor der Arbeit der anderen Kinder. Wenn sie etwas besprechen wollen, reden
sie entsprechend leise. Aus dem Interesse der Kinder heraus entsteht
eine angenehme Arbeitsatmosphäre der Ruhe und Konzentration.

14. Was bedeutet „Kosmische Erziehung“?

Dieser Begriff stammt von Maria Montessori und wird heute in der
Montessori-Schule für alle Lernbereiche verwendet, die das Wissen der
Welt versammeln (es gibt keine aufgesplitteten Unterrichtsfächer wie
Geografie, Geschichte, Biologie, Physik, Chemie). Maria Montessori erkannte,
dass alles in unserem Kosmos miteinander in Beziehung steht
– die belebte wie die unbelebte Materie. Dieses Beziehungsgeflecht und
die besondere Verantwortung des Menschen darin zu vermitteln, ist das
Ziel der Kosmischen Erziehung. Als Konsequenz daraus wird an Montessori-Schulen

der erforderliche Fachunterricht in seiner bisherigen Form
teilweise aufgelöst, inhaltlich vernetzt und so ein zusammenhängendes
Verständnis ermöglicht.

15. Wie gelingen zugleich Individualisierung
und Teamfähigkeit in Montessori-Schulen?

Dies gelingt durch geeignete Rahmenbedingungen: Individualisierung
geschieht in Montessori-Schulen vom Kind aus durch die freie Wahl der
Arbeit und berücksichtigt das Interesse und die Motivation des Kindes
und sogar die Tagesform. Teamfähigkeit wird durch die Bildung altersgemischter
Lerngruppen begünstigt, in denen jedes Kind sich als ratsuchend
oder helfend erleben kann. In der Freiarbeit ist auch die Wahl
der Partner frei gestellt. Das gemeinsame Interesse an einer Arbeit lässt
immer wieder neue Kleingruppen entstehen und führt zu konstruktiver
Kooperation.

16. Welche Erziehungsvorstellungen der Eltern
begünstigen einen Schulerfolg in Montessori-Schulen?

„Hilf mir, es selbst zu tun!“ ist der Ausspruch eines Kindes im Montessori-
Kinderhaus. Er wurde zum Leitsatz für alle Montessori-Pädagogen und
erinnert daran, dass Kinder selbstständig werden und Verantwortung
übernehmen wollen. Dieser Leitsatz sollte auch in den Familien gelten.
Was sollten Eltern noch beachten?
• Geborgenheit und Liebe schenken,
• Durch verlässliche Tagesabläufe Sicherheit geben,
• Mit dem Kind neugierig sein und staunen,
• Respekt vor Mitmenschen und allen Lebewesen vorleben.
Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist jedoch, dass Eltern ausreichend
Vertrauen haben in die Selbstkompetenz ihres Kindes und ihm damit genügend
Freiraum für selbständige Erfahrungen gewähren können.

17. Findet eine Berufsvorbereitung statt?

Ja. Schüler der Montessori-Schulen machen besonders viele Praktika.
Außerdem installieren Montessori-Schulen Praxisfelder (z.B. Schülerfirmen),
in denen die Schüler in echten Situationen lernen, sich zu bewähren
und Verantwortung zu übernehmen. Maria Montessori verwendete
für dieses Arbeiten ab Klasse 7 den Begriff „Erdkinderplan“.

18. Wie stehen Montessori-Schulen
zum Umgang mit dem Computer?

Der Umgang mit dem Computer wird altersentsprechend gelehrt – wobei
in den ersten Jahren der Schwerpunkt auf dem handelnden Lernen
mit den Montessori-Materialien liegt. Der Umgang mit Hardware, Software
und Internet ist für Schüler der Mittelstufe und der Oberstufe jedoch
eine Selbstverständlichkeit und der verantwortungsbewusste Umgang
mit den neuen Medien steht hierbei im Mittelpunkt.

19. Werden die Kinder an der
Montessori-Schule weltanschaulich unterrichtet?

Maria Montessori selbst war Christin und nach einem jahrelangen Aufenthalt
in Indien auch vom Buddhismus und Hinduismus beeinflusst.
Für sie stand die Gleichberechtigung der Menschen in ihren verschiedenen
Kulturen und Religionen im Mittelpunkt. So erhalten die Kinder
in den Montessori-Schulen Kenntnis von allen großen Weltreligionen. Es
gibt keine spezifische weltanschauliche Ausrichtung.

20. Was sagt die Gehirnforschung
zum Lernen in Montessori-Schulen?

Unser Gehirn ist ein zeitlebens formbares Organ. Die Bedingungen, unter
denen ein Kind aufwächst, sind ganz entscheidend (Gerald Hüther,
2002). Vom Kind selbst bestimmte Lernprozesse in Montessori-Schulen
sorgen für optimale Lernprozesse und damit für die bestmögliche Entwicklung
des Gehirns. Wichtige Kernaussagen aus Wissenschaft und
Forschung fließen kontinuierlich in unsere pädagogische Definition mit
ein. Die Aktualität dieser Diskussion gewährleistet der Wissenschaftliche
Beirat von Montessori Bayern.

21. Gibt es Qualitätsvorgaben
für die Umsetzung der Montessori-Pädagogik?

Die bayerischen Montessori-Schulen, die sich in Montessori Bayern zusammengeschlossen
haben, bauen die Umsetzung ihrer pädagogischen
Arbeit auf dem Gemeinsamen Schulkonzept auf. In diesem ist zusammengefasst,
wie gelingender Unterricht an bayerischen Montessori-Schulen
stattfindet. Auf der Basis dieses Gemeinsamen Konzeptes entwickelt jede
Schule ihre eigene Konzeption und beschreibt, wie die tagtägliche Arbeit
vor Ort umgesetzt wird. Darüber hinaus ist es allen Montessori-Einrichtungen
wichtig, dass die Mitarbeiter regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen,
um so eine qualitativ hochwertige Umsetzung der Montessori-
Prinzipien gewährleisten zu können.

 

Quelle: Montessori Bayern Landesverband, Hirtenstraße 26, 80335 München

www.montessoribayern.de

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